Das Buch 2023

„Wer wir sind“
von Lena Gorelik


Copyright: Buchcover: „Wer wir sind“ von Lena Gorelik,
Rowohlt Verlag GmbH Hamburg


In einer Welt, die von Sorgen um Umwelt, soziale Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden geprägt ist und in der Zukunftsperspektiven als zunehmend unsicher erlebt und erfahren werden, in der Migration und Verlust von Heimat(en), Fremdsein und die suche nach einem Zuhause, eine zentrale Rolle spielen, gewinnt die Frage nach der eigenen Identität und dem Verhältnis des Ich zum Anderen, des eigenen Handelns für und mit anderen eine bestimmende Funktion. Nicht nur für junge Menschen erscheint es in dieser Situation geboten, eigene Peer-Group-Grenzen zu überschreiten, um so – mit Martin Buber gesprochen – am Du zum Ich zu werden.

Lena Goreliks autofiktionaler Roman „Wer wir sind“ zeigt in Ausrissen Erinnerungen an die Kindheit in Russland, erzählt familiäre Geschichte(n) und berichtet von den schmerzlichen Erfahrungen bei der Ankunft in Deutschland, genauer gesagt: im baden-württembergischen Ludwigsburg. Berichtet wird von Scham und Stolz, von Anpassungsdruck und Selbstbewusstsein, von diesem In-Between, das migrantische Lebensrealitäten durchdringt und charakterisiert. Der Text leuchtet unsere Gegenwart aus, seine sprachlich poetische Form, die mit Originalzitaten (auch in kyrillischer Schrift) die Vielstimmigkeit unserer Welt unterstreicht, wirft für alle die Frage auf: Wer sind wir?

Der Roman eröffnet auf besondere und vielfältige Weise Anknüpfungspunkte und Schnittstellen für das kooperative Projekt der fünf Ludwigsburger Hochschulen. Zusammengefunden haben sich die Pädagogische Hochschule, die Evangelische Hochschule, die Hochschule für Verwaltung und Finanzen, die Filmakademie Baden-Württemberg und die Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Idee und Konzept des Hochschulverbundes sind von Goreliks Text inspiriert und entwickeln diesen reflektierend zu weiterführenden Konzepten auf die Frage „Wer wir sind“: Hochschulübergreifend werden Lebensentwürfe und -perspektiven der Hochschulangehörigen diskutiert und zusammengetragen und die konzipierten Projekte in die Zivilbevölkerung der Stadt Ludwigsburg hineingetragen. Ziel ist es, mit dem Projekt den Diskurs über eine der drängendsten gesellschaftlichen Fragen anzustoßen, wie eine durchlässige Gemeinschaftlichkeit und Anerkennung von Individualität zugleich gelebt werden können.
(Stifterverband / EINE UNI EIN BUCH)

Video der Ludwigsburger Hochschulen zum Projekt „Ludwigsburg liest“

Die Autorin Lena Gorelik

Copyright: Autorinnenfoto Lena Gorelik,
Charlotte Troll – 01.11.2024-

Lena Gorelik, geboren 1981 in Sankt Petersburg, kam 1992 zusammen mit ihrer russisch-jüdischen Familie als sogenannte „Kontingentflüchtlinge“ nach Deutschland. Die Familie wurde in einem Flüchtlingsheim in Ludwigsburg untergebracht. Lena Gorelik ging in Baden-Württemberg zur Schule, nach anschließender Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule in München und dem Studium „Osteuropastudien“ arbeitet Lena Gorelik als Journalistin und Autorin. Sie ist Verfasserin von Romanen, die große mediale Aufmerksamkeit bekommen haben.

2004 Meine weißen Nächte
2007 Hochzeit in Jerusalem
(nominiert für den Deutschen Buchpreis)
2011 Lieber Mischa
2012 Sie können aber gut Deutsch (Sachbuch)
2014 Die Listensammlerin
2015 Null bis unendlich
2017 Mehr Schwarz als Lila,
(Coming-of-Age-Roman, nominiert DJLP)
2021 Wer wir sind (Autobiographie)

Daneben schreibt Lena Gorelik Essays, sowie zahlreiche journalistische Texte u.a. für DIE ZEIT, die Süddeutsche Zeitung und Deutschlandradio. 2022 erhielt sie eine Poetikdozentur an der Universität Hannover und unterrichtet Kreatives Schreiben an diversen Universitäten und Literaturhäusern.
2023 kuratierte Lena Gorelik das Literaturfestival in Stuttgart und erhielt den Marieluise-Fleißer-Preis, das Thomas-Bernhard-Stipendium sowie den Retzhofer Dramapreis für junges Publikum.

Des Weiteren schreibt Sie Theaterstücke, Hörspiele u. Drehbücher. Das Kindertheaterstück „Als die Welt lernte, rückwärts zu gehen“ wurde für den Deutschen Kindertheaterpreis 2022 und die Mülheimer Theatertage nominiert.

Weitere Informationen über die Autorin Lena Gorelik finden Sie unter: www.lenagorelik.de/zur-person