Was ist Heimat? Ideologiekritische Perspektiven auf Exiltexte

Prof. Dr. Philipp J. Wulf

J. Wolf

Grauer Asphalt, graue Hochhäuser, die Richtung Himmel streben, Pfützen überall, (…)“
-Lena Gorelik/Wer wir sind-

In der Exilliteratur tritt der Heimatbegriff auf scheinbar widersprüchliche Art und Weise hervor: Auf der einen Seite verhandeln die Exilierten ihre verlorene Heimat – mitunter nostalgisch – als das Woher der Flucht und das Wovon der Entfremdung; auf der anderen Seite steht als Fluchtursache der gewaltsame Versuch, ein exkludierendes Ideal nationaler Heimat wahrzumachen.

Der Heimatbegriff gewinnt seine Komplexität also daraus, dass in ihm verschiedene Vorstellungen vereint sind,
die analytisch voneinander zu trennen sind: Während Heimat materialistisch verstanden werden kann als der Ort, an dem das Subjekt seine Bedürfnisse befriedigt, sich in seiner Umgebung orientieren kann und sozial eingebettet ist, basiert der Idealismus der Heimat auf einem ideellen Entsprechungsverhältnis:
Das subjektive Empfinden, an einen bestimmten Ort zu gehören, ist das Resultat einer Anpassung an äußere Bedingungen und einer Unterwerfung unter nicht ausgesuchte Umstände.