Postmigrantische Erzählwelten in der Kinder- und Jugendliteratur

Institut für deutsche Sprache und Literatur

JP Dr. Nadine Seidel (PH Ludwigsburg), JP Dr. Magdalena Kißling (Uni Paderborn)

L. Dihlmann

„So wurde ich im Leben begrüßt, mit diesen Zeilen meines Onkels, einer Packung in einer sowjetischen Fabrik nach einem niemals eingehaltenen Fünfjahresplan hergestellten Pralinen und einem großen Veilchenstrauß“
-Lena Gorelik/Wer wir sind-

(Migrationsbedingte) Diversität in der Kinder- und Jugendliteratur hat man lange Zeit vergeblich gesucht. Dass heute Kinder- und Jugendbücher mit einem Siegel für Diversität (z.B. Kimi-Siegel) ausgezeichnet werden, verweist darauf, dass Diversität in innerdiegetischen Welten bis heute keine Normalität darstellt.

Augenfällig zeigt sich dort, wo migrationsbedingte Diversität verhandelt wird, ein explizit-problemorientiertes Erzählen.
Wir wollen an diesem Abend das Werk der mehrfach ausgezeichneten Autorin Andrea Karimé in den Blick nehmen,
die – wie einzelne andere (postmigrantische) Autor:innen auch – einen anderen Weg wählt. Sie bildet bspw. schwarze Figuren in ihren Bilderbüchern auf visueller Ebene ab, ohne die Disparität auf Textebene zu benennen. Inwiefern diese Verwiesenheit von Diversität auf die visuelle Narrativität einer gegenhegemonialen Strategie postmigratischen Erzählens gleicht, soll hier diskutiert werden.