Das Andere in uns – Chaplins Tramp als Prototyp

Institut für deutsche Sprache und Literatur

Prof. h.c. Dr. Michael Gans

I.Manz

„Sie war nicht bei
Дедушка, dachte aber vielleicht
an ihn, während sie das Unkraut
zum Kompost schleppte und sichden Schweiß mit der Rückseite derHand aus der Sern wischte.“

Vertraute Chaplins berichten davon, dass er in Anwesenheit anderer immer in einer Rolle war, um sein Selbst, sein vermeintlich wahres Ich zu schützen.
Die Angst vor Verwundung provozierte ein permanentes Spiel mit dem vermeintlichen Nicht-Ich, das tatsächlich mehr vom eigentlich verborgen geglaubten Ich offenbarte, als der Spieler offenbaren wollte.
Die Rollen, in die er schlüpfte, wurden ihm dabei so zu eigen, dass Betrachtende dokumentarischer Filmaufnahmen stets die Figuren seines Schauspiels vor Augen haben. Dabei dominiert eine Figur vor allen anderen: die des Tramps, an der Chaplin fast sein gesamtes Schauspielerleben lang feilte. Jener Underdog, der zum Prototyp des sympathischen Loosers wurde, Identifikationsfigur für Generationen von Kinobesucher*innen weltweit.

Der Filmdidaktiker Michael Gans referiert anhand ausgewählter Filmausschnitte über die Genese dieses Figurenprototyps und seine zeitlose Aktualität.